2. Fahrtbericht Rudern und Kultur Mainwanderfahrt von Bamberg nach Würzburg Juli 2008
3. Fahrtbericht Pfingsten Werder/Havel Mai 2008
4. Fahrtbericht Pfingsten auf Berliner und Brandenburger Gewässsern (rund um Potsdam) Mai 2007
5. Fahrtbericht Weiberwanderfahrt nach Rheinsberg Oktober 2007
6. Fahrtbericht Männerwanderfahrt auf der Mittelweser Oktober 2007
1. Überblick Pfingstwanderfahrten
| Jahr | Revier | von nach |
| 1990 | Main | Marktheidenfeld - Klingenberg |
| 1991 | Lahn | Aumenau - Bad Ems |
| 1992 | Main | Hassfurt - Kitzingen |
| 1993 | Mosel | Lieser - Beilstein |
| 1994 | Weser | Kassel - Bad Karlshafen |
| 1995 | Saale / Unstrut | Naumburg - Freyburg - Weißenfels |
| 1996 | Werra | Eschwege - Hann. Muenden |
| 1997 | Weser | Bodenwerder - Minden |
| 1998 | Leine / Aller / Weser | Hademstorf - Achim |
| 1999 | Main | Jubiläumsfahrt: Marktheidenfeld - Klingenberg |
| 2000 | Ilmenau / Elbe / Seitenkanal | Bienenbüttel - Scharnbeck - Lüneburg |
| 2001 | Elbe | Decin - Dresden - Meißen |
| 2002 | Saar / Mosel | Bessering - Trier - Zeltingen |
| 2003 | Saale | Halle - Wettin - Merseburg |
| 2004 | Mosel | Eller - Koblenz |
| 2005 | Weser | Hameln - Minden |
| 2006 | Neckar | Bad Cannstedt - Heilbronn |
| 2007 | Berliner und Brandenburger Gewässer | Berliner und Brandenburger Gewässer (rund um Potsdam) |
| 2008 | Werder / Havel | Märkische Gewässer |
| 2009 | Aller | Müden - Eilte |
| 2010 | Oldenburg | Hunte und Kük |
Überblick Rudern & Kultur Wanderfahrten
| Jahr | Revier | von nach |
| Juli 2001 | Charente | Angouleme - Savinien |
| Juli 2004 | Elbe | Dresden - Dessau |
| Juli 2005 | Oberbayrische Seenen | Starnberger See, Ammersee, Forggensee |
| Juli 2006 | Donau | Deggendorf - Wien |
| Juli 2008 | Regnitz / Main | Bamberg - Würzburg |
| Juli 2009 | Neckar | Heilbronn - Heidelberg |
| Juni 2010 | Donau / Naab | Donauwörth - Regensburg |
| Juni 2011 | Donau | Straubing - Schärding |
2. Fahrtbericht Rudern und Kultur Mainwanderfahrt von Bamberg nach Würzburg Juli 2008
Boxbeutel statt Ruderblätter: Vom Bamberger Reiter zur Marienburg in Würzburg
Es ist Samstag, der 12.07.08, kurz vor 12 Uhr, und ich sitze in einer Kirchenbank im Dom zu Bamberg und lasse die Seele baumeln. Wie bin ich hierher gekommen? Ich habe Ruderbekleidung an und bin in Begleitung von 13 weiteren Frauen und Männern mit gleichem Outfit. Ah ja, der WSV Altwarmbüchen befindet sich auf Ruderwanderfahrt, diesmal unter dem Motto „Rudern und Kultur“. Es liegt eine Woche mit ca. 150 km auf der Regnitz und dem Main zwischen Bamberg und Würzburg vor uns. Die ersten dissonanten Akkorde des samstäglichen Orgelkonzerts reißen mich aus meinen Tagträumen. An den Gesichtern meiner Freunde erkenne ich, dass auch sie mit der Lautstärke und den ganz und gar ungewohnten schrägen Akkorden ihre Probleme haben.
Gestern Abend haben wir uns nach 5stündiger Fahrt auf dem Campingplatz im Bamberger Stadtteil Bug am Ufer der Regnitz getroffen und unseren ersten Eindruck von der fränkischen Küche gewonnen. Der Bootsanhänger mit den beiden Vierern und dem Zweier ist ebenfalls wohlbehalten angekommen. Fleißige Hände haben die drei Boote aufgeriggert, so dass unserem Start heute Morgen um 9 Uhr nichts im Wege stand. Vor zwei Stunden sind wir bei der Bamberger Rudergesellschaft (BRG) angekommen. Dort hat uns eine „charmante, attraktive und kompetente“ Stadtführerin in Empfang genommen und uns in atemberaubend unpraktischen Schuhen an der Faszination Weltkulturerbe Bamberg teilhaben lassen.
Das erste Stück des Orgelkonzerts ist vorbei und alle Zuhörer atmen hörbar auf, als es wesentlich harmonischer und leise weitergeht. Gleich werden wir zu unseren Booten zurückkehren und im schönen Garten der BRG zu Mittag essen. Was hat Bernhard, unser Wanderruderwart und damit Organisator der Fahrt bei der morgendlichen Fahrtbesprechung über den weiteren Tagesablauf gesagt? Um 14 Uhr werden wir die seltene Chance haben, durch die Schleuse Nr. 100 des Ludwigskanals (http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwigskanal) zu schleusen, der die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Wir können damit den Innenstadtbereich von Bamberg per Ruderboot durchfahren und den schönsten Teil, eine mittelalterlichen Fischersiedlung, die liebevoll „Klein-Venedig“ genannt wird, passieren.
Beim Aussteigen in Bischberg, unserem ersten Tagesziel, nimmt Sigrid ein unfreiwilliges Bad – sie nimmt es mit ihrem unverwüstlichen Humor. Unsere Landung gerät zum Wettlauf mit dem letzten Bus Richtung Bamberg, den wir knapp gewinnen können. Dies ist auch gut so, denn wer denkt, das Tagesprogramm wäre schon zuende, kennt Bernhard schlecht: Um 19 Uhr ist auf der Altenburg, einem der Wahrzeichen von Bamberg, ein nobles Essen vorgesehen. Sein Auto leistet ab Mitte des Berges gute Taxidienste, sonst wäre dieser Termin wegen des steilen Berges nicht pünktlich und unverschwitzt erreichbar gewesen. Thomas wollte ebenfalls weiteres Transpirieren vermeiden und versuchte, die Fenster im 30°C warmen Gastraum zu öffnen, scheiterte aber kläglich an seiner Meinung nach unpraktisch aufgestellten Blumentöpfen.
Am Sonntagmorgen geht’s im Regen mit den Fahrrädern wieder nach Bischberg, von wo aus die erste „richtige“ Etappe nach Hassfurt mit 28 km Rudern und drei Schleusen startet. Kaum sind wir auf dem Wasser und erreichen den Main hört der Regen auf, während in Bamberg laut dem an Land gebliebenen Achim noch den ganzen Tag ergiebig Wasser vom Himmel fällt. Erwähnenswert ist der Defekt des Rollsitzes von Klaus, der ihn für ihn und alle anderen zu ungewohnter Untätigkeit zwingt. Seine Frau Doro steuert mit großer Professionalität trotz des in noch in Altwarmbüchen erlittenen Handbruchs bis zum Naturfreu(n)de(n)haus in Hassfurt. Hier wird mit großer Freude das umfangreiche Essens- und Trinkangebot wahr- genommen, obwohl für Klaudia und Renate der wohl schlechteste Kaffee der Welt ausgeschenkt wird. Zwei Großraumtaxis bringen uns zurück zu unseren Rädern nach Bischberg. Die kurze Tour nach Bamberg macht so großen Hunger, dass beschlossen wird, ins Schlenkerle, einem der für sein Rauchbier weit bekannten Lokale „einzufallen“. Kurze Randbemerkung: Bamberg und seine Gegend haben die höchste Brauereidichte weltweit! Rettich und Schweinshaxe entwickeln sich zu den meist bestellten Abendessen, so dass nach dem Verlassen des Lokals durch die WSV-Truppe sämtliche Vorräte aufgebraucht sind.
Das Frühstück am Montagmorgen ist geprägt durch großes Rätselraten über den Fund eines schwarzen BHs vor Klaus’ und Doros VW-Bus. Bis heute existiert eine offizielle Version, aber es kursieren noch mehrere inoffizielle Varianten... Mit Bus und Bahn geht es nach Hassfurt zu den Booten; die heutige Etappe führt uns bis zum Schweinfurter Ruder-Club Franken. Das letzte Teilstück dieser Strecke weckt bei Bernhard ungeahnte Kräfte. Die Erklärung kommt auf der Terrasse des Zielvereins bei Bier und Kaffee: Hier wurde er „vor vielen Jahren“ Deutscher Jugendmeister im Achter. Unterwegs kreiert Klaudia mit „Vorwärts - Marsch“ ein neues Ruderkommando, an das sich der entsprechende Vierer erst mühsam gewöhnen muss. Die Mittagspause in einem Nebenarm des Mains führt zum Erstaunen über die Menschenleere, das klare Wasser und Muschelfunde; manche fühlen sich an schwedische Seen erinnert. Überhaupt fällt auf, dass fast keine Berufsschifffahrt unterwegs ist: „Es hat schon ganz andere Wanderfahrten gegeben, bei denen es zu wesentlich mehr Verkehr kam“ (Zitat Leo). Die Ruhe und Einsamkeit auf dem Fluss trieb ein Boot dazu, das Kinderspiel mit dem Alphabet zu spielen: Automarken mit A, B, C... Da Frauke, unsere Backwarenwartin, an Bord saß, kamen zwangsläufig Kuchensorten ins Gespräch. Niemand wusste einen Kuchen mit U als Anfangsbuchstaben, was bei Frauke zu stillem Nachdenken, einer schlaflosen Nacht, einer Portion Frust und zu einem Telefonat mit ihrer Mutter führte. Am nächsten Morgen einigte man sich auf „Umgedrehter Apfelkuchen“, den Frauke auch sofort versprach, bei nächster Gelegenheit zu backen. Abends auf dem Heimweg von der Innenstadt zum Campingplatz lernten wir noch den „nettesten“ Busfahrer Deutschlands kennen – ich denke, der harmloseste Kommentar zu seinem Benehmen ist, dass er mit Sicherheit den für ihn falschen Beruf ausübt.
Der Dienstag verlief ohne Rudern - das Standquartier wurde auf einen Campingplatz nach Kitzingen verlegt. Mittags trafen sich alle 14 WSVer bei ‚Superwetter’ zu einer Radtour nach Dettelsbach, einem alten ummauerten Städtchen mit spätgotischem Rathaus. Hier wurde das Angebot eines Eiscafes einer gründlichen Prüfung unterzogen: Der Renner war Riesling-Eis und Zitronen-Buttermilch-Shake. Einige zogen den Test der hiesigen Wurstspezialitäten vor; auf dem Heimweg nach Kitzingen gab es also reichlich Gesprächsstoff. Die Gaststätte „Goldene Gans“ an der Brücke in Kitzingen war dem Ansturm der WSVer nicht gewachsen – es mussten erst Hilfskräfte ins Lokal bestellt werden, so dass die noch für den Abend geplante Preisverleihung erst gegen 22 Uhr stattfand. Jörn wurde für sein T-Shirt-Fahrtenlogo prämiert, das sehr schön die wesentlichen Elemente der Fahrt zusammenfasst: Gekreuzte Ruderskulls mit Bocksbeuteln statt Ruderblättern umrahmt vom Mainverlauf und den Wahrzeichen von Bamberg und Würzburg. Leider kam es zu ersten Ausfallserscheinungen bei Klaus, der die gesamte Ehrung verschlief. Eigentlich hätte Leo noch einen Zusatzpreis für die lustigsten Begriffe verdient. Zwei Beispiele seien genannt: „Temposchlafen“ für das beste Mittel bei kurzen Nächten und „Gehirnschutz“ für Kappe.
Unsere Mittwochsetappe startete mit verschlossenen Türen beim Schweinfurter Ruderverein. Mit vereinten Kräften schafften wir es, neben der verletzten Doro auch Ulla mit ihrem lädierten Knie über das Eingangstor zu heben. Danach konnten wir aufbrechen, um das 28 km Flusskilometer und drei Schleusen entfernte Volkach zu erreichen. Zum Mittagessen haben wir einen schönen Strand gefunden, der Jürgen und Marianne sogar zum Schwimmen animierte. Ein Wespenstich in eine von Klaudias großen Zehen war noch der größte ‚Aufreger’ dieses ruhigen Fahrtabschnitts. Offensichtlich sind wir ein sehr attraktiver Haufen: In Volkach an der Bushaltestelle kamen wir für die Prospekt-Werbeaufnahmen eines Busunternehmens wohl wie bestellt. Der Lohn, zwei Boxbeutel, wurden beim abendlichen Grillen auf dem Campingplatz kreisen gelassen. Die Salatmenge war allerdings so überdimensioniert, dass es „für Millionen“ gereicht hätte.
Nach einer durchregneten Nacht startete der Donnerstag mit Kultur. Taxis fuhren uns zur Wallfahrtskapelle „Maria im Weingarten“ am Stadtrand von Volkach. Renate hielt ein Referat über die Kirche und das 1521 von Tilman Riemenschneider geschaffene Weltkunstwerk „Maria im Rosenkranz“. Die größte Aufmerksamkeit erhielt sie bei ihrem Bericht über den Diebstahl und die Wiederbeschaffung des Kunstwerks in den 60er Jahren sowie bei Riemenschneiders Arbeitsmotto: „Das beste Bildnis mir gelang, wenn ich erst einen Schoppen trank!“. Die Schleuse Gerlachshausen funktionierte leider nicht, so dass hier die Boote umgetragen werden mussten. Dieses bei Wassersportlern nicht besonders beliebte und zeitraubende Manöver wurde schnell vergessen, da mit der 12 km langen Volkacher Mainschleife dem kulturellen der ruderische Höhepunkt dieser Wanderfahrt folgte. Alle waren sich einig, dass dieser landschaftlich schöne Abschnitt viel zu schnell vorbei war. Der Steg des Kitzinger Rudervereins wurde gegen 16 Uhr erreicht. Zuvor erwischte uns der einzige „fette“ Regenschauer dieser Fahrt, der der guten Laune an Bord allerdings keinen Abbruch tat. Abends ging es auf Rädern in den Weinort Sulzfeld, in dem vor rund 50 Jahren die Meterwurst erfunden wurde, in dem von uns gewählten Kellergewölbe-Lokal sogar mit einer thailändischen Note. Glücklicherweise unternahm niemand von uns einen Rekordversuch (der aktuelle Rekord steht bei 5,6 m).
Freitag war wieder ruderfrei, was bei einigen schon zu Entzugserscheinungen führte. Zelte, Wohnwagen und Bootsanhänger wurden zur Würzburger Rudergesellschaft Bayern transferiert und eine neue Lagerburg aufgebaut. Im Gedächtnis bleibt auf jeden Fall der schließwütige Hausmeister mit seiner erblondeten Frau. Auf dem Besuchsprogramm standen die beiden wichtigsten Highlights von Würzburg: (a) Die Residenz, die zu den bedeutendsten architektonischen Schöpfungen des Barock gehört und die im gleichen Atemzug mit Versailles bei Paris und Schönbrunn bei Wien genannt werden darf sowie (b) die Festung Marienberg, deren Anfänge ins achte Jahrhundert zurückgehen und einen tollen Ausblick über Würzburg ermöglicht. Abends ging es wieder über die Dächer von Würzburg, diesmal über 266 Stufen hinauf zum Lokal Schützenhof, in dem sich zwei Ungenannte trauten, Lammlunge zu essen.
Am Samstag stand wieder Rudern im Vordergrund: Von Kitzingen nach Würzburg sind es 34 km gespickt mit vier Schleusen, die bei starkem Wind eine besondere Herausforderung darstellen. Ein besonderer kulinarischer Höhepunkt folgte abends nach einer gemeinsamen Radtour durch Würzburg: In einem Biergarten am Ufer des Mains gab es völlig untypische Currywurst und Pommes, die sofort Rufe nach Blauen Zipfeln laut werden ließen.
Am nächsten Morgen stand die Suche nach Klaus Kulturbeutel im Mittelpunkt. Jörn wollte Klaus schon auf seinem T-Shirt aus dem Fahrtmotto „Rudern und Kultur“ das „und Kultur“ streichen; schließlich fand sich jedoch das gesuchte Utensil wieder. Nach dem Verladen der Boote und dem Abbruch des Zeltlagers ging es noch per Rad in den äußerst sehenswerten Veitshöchheimer Rokokogarten. Bei einem Straßenfest genoss man ein letztes Mal die fränkische Küche, der Fahrtenleiter erklärte die Wanderfahrt endgültig für beendet, und alle fuhren glücklich und voller schöner Eindrücke wieder zurück nach Hannover.
Die Bilanz dieser Fahrt aus einer etwas anderen Sicht: Es gab keinen Schaden an einem der 14 Räder; bei den Booten wurden uns zwei Tampen gestohlen, ein Enterhaken hat sich in einer Schleuse verabschiedet; es gab keinen für die Anderen sichtbaren Streit zwischen Partnern und Teilnehmern; es gab keine Verletzungen außer dem genannten Wespenstich, und es gab keine Weinprobe.
Nachtrag 1: Fraukes ‚Umgedrehter Apfelkuchen’ wurde schon drei Tage nach der Rückkehr gemeinsam im Anschluss an das Abladen und Wiederaufriggern der Boote mit großem Genuss verspeist.
Nachtrag 2: Eine Nachfeier zu dieser Fahrt inklusive umfangreicher Bilddokumentation fand schon bei Marianne und Jörn im Garten statt. Jörn hat für alle köstliche fränkische Spezialitäten gekocht, und Bernhard kam somit endlich zu seiner heiß begehrten gebratenen Blutwurst.
Die beiden Nachträge zeigen deutlich, dass die Fahrt ein voller Erfolg war, besonders die große Kameradschaft und die Rücksichtnahme aufeinander ist erwähnenswert. Ein besonderer Dank geht an unseren Rudergott Bernhard, der wie immer in exzellenter Manier die Fahrt vorbereitet und geleitet hat.
Thomas Wonik
(Fotos von der Mainwanderfahrt sind in der Bildergalerie `08 zu finden: Spartenchronik Punkt 5 "Das Jubiläumsjahr in Bildern" nach unten scrollen)
3. Fahrtenbericht Pfingsten 2008: Werder/Havel
Miss Wanderfahrt 2008 auf Blütenstadt-Insel gekürt
Was hat ein samstäglicher Einkaufsbummel in der hannoverschen Innenstadt mit einer Rudertour am Pfingstsonntag auf der Havel zwischen der für den Obstanbau überregional bekannten Stadt Werder und Potsdam gemeinsam? 20 WSV-Ruderer in vier Vierern (mit Steuermann bzw. -frau) können diese Frage beantworten. Es ist genauso anstrengend, alle paar Meter anzuhalten, um ein Schuh- oder Handtaschengeschäft zu besichtigen wie alle 100 Meter wegen durch Motorboote verursachter hoher Wellen zu stoppen und diese „abzureiten“. Jeder wird bestätigen, dass 2 km Bummeln genauso anstrengend (und definitiv teurer) sind als 10 km Wandern im Wald bzw. 5 km Havelrudern genauso die Kondition beanspruchen wie 20 km „freies“ Rudern. Am Vortag bestand die Notwendigkeit für die „kleinen Pausen“ noch nicht, so dass jeder beim abendlichen traditionellen Grillabend von einer überaus gelungenen 32 km langen Tagesfahrt nach Ketzin incl. einer Mittagspause im Restaurant “An der Fähre“ schwärmte. Der am Pfingstsonntagmittag vom Wanderruderwart Bernhard in weiser Voraussicht eingeplante und durchgeführte Wechsel auf die mitgebrachten Fahrräder war daher nur die logische Konsequenz. Ein Ausflug zur Braumanufaktur Forsthaus Templin mit „eingebauter“ Dixieland-Band und der Besuch des Einstein-Hauses (http://www.kavalierhaus-caputh.de/german/culture/einsteinhaus.html) in der Nähe von Caputh waren die wichtigsten Stationen dieser Radtour. Dorothee erwies ihr kaufmännisches Geschick, als sie dem Fährmann (http://www.caputher-touristencenter.de/seite16.htm) einen so günstigen Gruppentarif „abschwatzte“, dass sogar noch der kostenlose Transport einiger Nicht-WSVler dabei heraussprang.
Der Sonntagabend war geprägt durch die Wahl der Miss Wanderfahrt 2008. Um eine würdige Trägerin dieses erstmals in der mittlerweile 19jährigen WSV-Pfingstwanderfahrt-Geschichte zu finden, wurde wie im richtigen Leben erstmal eine Kommission gegründet. Der Debatte über die Anzahl der Kommissionsmitglieder (5) schlossen sich Diskussionen über den Modus zu ihrer Wahl an (nicht geheime, einfache Mehrheitswahl). Nach erfolgter Wahl der Kommissionsmitglieder erkor diese Reinhold zu ihrem Leiter. Nach Rückzug zur Beratung wurde die Wahl der Miss Wanderfahrt wortreich von Reinhold begründet und ihre Inthronisation zelebriert. Auf eine detaillierte Beschreibung der Begründung der Kommission wird hier aus Platzgründen verzichtet. Daria freute sich über ihren Titel und begann gleich, Wanderruderwart Bernhard kraft ihres neuen Amtes bei der Auswahl der Ruderetappe für den nächsten Tag zu unterstützen. Vielleicht lag es an Daria, aber es kam zu einem Novum: Nicht alle Boote fuhren die gleiche Strecke; ein Vierer wählte die km-reichere sogenannte " kleine Umfahrt" über den Paretz-Kanal und Potsdamer Gewässer, mittags trafen sich dann alle im Restaurant "Seekrug des Ruder-Olympia-Zentrums Potsdam. Diese Lokalität war übrigens der westlichste Punkt der letztjährigen Wanderfahrt, so dass beide Fahrten ineinander führen.
Was gibt es weiteres zu berichten von einer Wanderfahrt, die sich durch das phantastische Wetter und ihre Skandalarmut wohltuend von ihren Vorgängerinnen unterschied:
Es steht zu vermuten, dass Jürgen bald „Kanadier fahren“ als eine neue Sparte im WSV einführen wird. [Das ist das mit dem Knien und dem auf einer Seite paddeln und trotzdem geradeaus fahren.] Anlass war das Eintreffen von Hendrik Scholz, ehemaliges Nationalmannschaftsmitglied, am Steg des gastgebenden Vereins Ruder-Club Werder/Havel von 1918 (http://www.ruder-klub-werder.de/). Die ersten Knieversuche von Jürgen endeten innerhalb weniger Sekunden in Märkischem Gewässer, aber das Interesse war geweckt. Mir ist nicht bekannt, ob bisher ein entsprechender Antrag auf Spartengründung für die nächste Vereinsvollversammlung eingereicht wurde.
Quasi im Vorbeifahren wurde ein neuer Schmetterling aus der Familie der Spanner entdeckt und dank Marianne entsprechend benannt: der Havelspanner. Wer dabei an einen mit Fernglas bewaffneten Mann denkt, der von einem Motorboot aus versucht, nacktes Fleisch zu sehen, liegt völlig richtig.
Das versehentliche Einpacken eines Skullpaares vom Gastverein beschäftigte vor allem Jörn und Bernhard nach der glücklichen Rückkehr aller Beteiligten in Altwarmbüchen am Dienstag: Die umgehend beauftragte Spedition lieferte die Skulls erst so spät in Werder ab, dass die Regatta am darauf folgenden Wochenende nicht mit dem gewohnten „Handwerkszeug“ gefahren werden konnte, was uns natürlich sehr leid tut.
Wie immer, wenn 20 Menschen für drei Tage beisammen sind, kristallisieren sich die unterschiedlichen Ausprägungen der sozialen Kompetenz der Beteiligten heraus. Als Beispiel sei das „morgendliche Brötchen holen“ genannt. Am Ende macht es immer der Chef (in diesem Fall der Ruderwanderwart persönlich)! Nächstes Jahr wird es hoffentlich wieder eine von Bernhard hervorragend organisierte Wanderfahrt geben. Vielleicht kann man im Vorfeld in einem mehr oder weniger aufwendigen Wahlverfahren einen „Brötchen-hol-Wart“ wählen oder einfach jemanden bestimmen.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass diese Wanderfahrt wie jedes Jahr Lust auf mehr gemacht hat. Ich kann gar nicht verstehen, wie man als WSVer nicht dabei sein kann. Ich melde mich jedenfalls hiermit schon mal für die nächste Tour, wohin sie auch immer führen mag, an.
Thomas Wonik
(Fotos von der Pfingstwanderfahrt sind unter Spartenchronik Punkt 5 "Das Ruderjubiläumsjahr in Bildern" zu finden.)
4. Fahrtenbericht Pfingsten 2007 in Potsdam
Meint Ihr das richtige Backbord oder wann ist endlich wieder Pfingsten?
von Thomas Wonik & Daria Krupka
Ganz ohne Verluste ging leider auch diese Fahrt nicht ab, immerhin menschelt es bei dieser großen Anzahl von Teilnehmern auch immer ein wenig. Wer kennt nicht das Beispiel des Meteorologen Lorenz (1963) zur bildhaften Veranschaulichung, dass in manchen Systemen kleine Ursachen große, meist unvorhersehbare Wirkungen haben können: Der Schlag eines Schmetterlingsflügels im Amazonas-Urwald kann einen Orkan in Europa auslösen! Ein ähnliches Beispiel haben die WSVer am eigenen Leib erfahren: Der Fund einer toten Fliege in einem der zur Übernachtung vorgesehenen, vor kurzer Zeit renovierten schönen Zimmer des unmittelbar benachbarten Potsdamer Ruder-Clubs Germania, hat zur direkten Umkehr zweier Teilnehmer nach Hannover geführt.
Der „Frauenachter“ unter der Leitung von Kilometerkönigin Frauke fühlte sich in der Unterkunft jedoch pudelinnenwohl. Dabei verlief kein Tag ohne irgendwelche Suchaktionen nach Unterlagen, -hosen etc. Höhepunkt war der verschwundene Hausschlüssel, der völlig vergessen am Treppengeländer hing und zunächst Kopfzerbrechen verursachte, wie man ohne ihn je wieder ins Haus gelangen könnte. (Hat Klaus nun eigentlich „Leiterschiss“ oder nicht?)
‚Fart-enlighter’ Bernhard muss einen besonderen Draht zu Petrus haben, und dies ist besonders bei drohenden Gewittern auf Gewässern extrem wichtig: Die Etappe am Samstag, bei schwüler, 30 Grad warmen Luft, endete um 17:01 Uhr – um 17:05 Uhr entlud sich ein gewaltiges Gewitter. Am nächsten Tag legte das letzte Boot um 15:02 Uhr am Steg an; das Pfingstsonntag-Gewitter begann um 14:59 Uhr, so dass das Duschen ausfallen konnte. Am Montag hatte Bernhard einen größeren zeitlichen Abstand zwischen Rückkehr und Gewitter eingeplant: Offensichtlich hatte er die Abreise einiger, die am Dienstag wieder im Job gefordert waren, mit eingeplant. Beim heimischen Auf(t)riggern (Gruß an unser Küken Alexandra) am WSV-Bootshaus am Altwarmbüchener See am Dienstagabend war Bernhard das Wetter scheinbar egal; er und Petrus ließen es als Kontrastprogramm bei 12 Grad spürbar regnen.
Sonntagnachmittag standen Fahrrad und Kultur auf dem Programm: Radwanderwart Reinhold übernahm für einige Stunden die Leitung und brachte uns das geschichtsträchtige Potsdam näher. Höhepunkte seiner Führung waren das unmittelbar benachbarte Haus der Wannseekonferenz, das Schloss Cecilienhof, das durch die Potsdamer Konferenz von 1945 bekannt wurde, als die Siegermächte über das Schicksal Deutschlands verhandelten, das Schloss Sanssouci, die romantische russische Kolonie Alexandrowka sowie der 79 m hohe Pfingstberg, der an so einem Tag natürlich auch unbedingt auf dem Programm stehen musste und einen herrlichen Rundblick über die wald- und wasserreiche Gegend gestattete. Dabei bewies Reinhold besonderes Geschick bei der Wahl der Anhaltepunkte: Der Blick auf die Villa von Günther Jauch z.B. war verdeckt durch eine Badenixe, die mehrere Minuten benötigte, um ihre Blöße zu bedecken. Noch wird (vorwiegend unter den männlichen Teilnehmern) gerätselt, ob Reinhold dieses Highlight organisiert hat, und wenn ja, wie teuer solch eine Einlage wohl ist.
Die Gesprächsthemen beim Frühstück auf dem Balkon mit Millionärs-Blick auf den Wannsee, beim Rudern und bei den Mahlzeiten wiesen die ganze Spannbreite des menschlichen Lebens auf: von der Ursache der Seenkette (Schmelzwasserrinne der letzten Eiszeit vor 20000 Jahren) über die übermäßige Kalorienaufnahme einzelner Fahrtteilnehmer bis zum heimischen Gardinen waschen. Beim traditionellen Samstagabend-Grill machten wir Bekanntschaft mit dem Maskottchen des We-Po, einem Fuchs, der sich bis weniger Meter an unsere Gruppe herantraute. Die Reaktionen auf diesen ungewohnten Anblick schwankten von medizinischen Exkursionen über Fuchsbandwürmern über Dressurversuchen zu Aussprüchen wie: Jetzt muss ich mir doch noch einen Manta kaufen.
Allen hat es Erholung, viel Spaß, einen Haufen schöner Kontakte, 73 km in die jährliche Fahrtstatistik, braune bzw. rote Bein- und Armvorderseiten und einigen mehr oder weniger viele Blasen an den Händen (gute Besserung an Christine) gebracht, so dass es nicht verwundert, dass Wanderruderwart Bernhard noch am Wannsee mehrfach nach dem Ziel der nächsten Pfingstruderwanderfahrt gefragt wurde. Wir jedenfalls haben Pfingsten 2008 schon in unseren Kalendern dick rot markiert.
Die Einladung zur diesjährigen Fahrt beinhaltete ein Rätsel auf Französisch und betraf eine Einladung von Friedrich dem Großen an Voltaire. Dieser Bericht endet ebenfalls mit einem Rätsel: Die Ausleger welchen Bootes befinden sich jetzt fälschlicherweise am Vierer Fango? Kleiner Tipp: Sorciẻre des marais.
Der Eigentümer eines grünen Sharans rätselt ebenfalls: Obwohl Highheels und Abendgarderobe daheim geblieben sind, war der Wagen für die viertägige Reise rappelvoll...
5. Fahrtenbericht Weiberwanderfahrt nach Rheinsberg
"Mit Maren zu Friedrich"
9. Weiberwanderfahrt der Ruderinnen
05 bis 07. Oktober nach Rheinsberg
Trotz einer nächtlichen "kleinen Schnarchmusik" waren am nächsten Morgen alle in bester Laune, wenn auch ein bisschen verschlafen – aber immer noch tatendurstig. Bevor wir jedoch frühstücken konnten, hatte sich jemand geopfert Brötchen zu holen – um danach eine halbe Stunde vor der (von anderen Gästen verschlossenen) Haustür zu stehen. Es war Dorothee und Dorothees Laune war danach nicht mehr so gut. Bei einem üppigen Frühstück im schönen Frühstücksraum mit Blick auf den See ging es dann allen wieder gut. Vom See sah man allerdings nicht sehr viel. Schuld daran waren aber nicht die verschleierten Blicke der vergangenen Nacht, sondern Morgennebel, der den See zudeckte.
Anschließend einteilen in zwei Mannschaften für zwei Vierer mit Steuermann. Ein Vierer – "Grienerick" – war benannt nach dem See vor unserer Haustür. Der hieß nicht Rheinsberger See wie irrtümlich geglaubt wurde. Der Rheinsberger See liegt einen See weiter. Noch betagter als das erste Boot erschien uns "Knolles", die große Badewanne. Und dann, kurz vor dem Ablegen, wie immer: "Ich hatte doch...", ich wollte noch...", "ich glaub' ich hab' was vergessen...".
Die Fahrt begann und endete dann jedoch zur Zufriedenheit der (wechselnden) Steuermänner bzw. Steuerfrauen zügig und diszipliniert. Die einzige Schleuse – die Schleuse Wolfsbruch – wurde routiniert durchquert. Andere "Hindernisse" entpuppten sich als – manchmal – ziemlich enge Brückendurchfahrten. Unter den Booten, die uns hin und wieder begegneten, fielen uns – schwimmenden Pappkartons ähnlich – die aus der ehemaligen DDR besonders auf.
Abends gab es im "Laternenhof" bei märkischer Knolle (daher der Bootsname?) und märkischem Landmann ein gelungenes und verdientes Abendessen. Dazu ein Toast auf Maren, unsere Organisatorin, die uns ein unvergessliches Wochenende im schönsten goldenen Oktober bescherte.
Der zweite Tag verlief weniger zügig – ob weniger diszipliniert kann ich nicht mehr sagen, denn mitten auf dem See (welcher der 1000 Seen war es bloß?) gab es einen kühlen Tropfen – aber nicht von oben.
Wir durchpflügten mit unseren Booten den Grienerick-See, den Rheinsberger See, Schlabornsee, Dollgowsee, Tietzowsee, Prebelowsee, den kleinen Pälitzsee und den Hüttenkanal – eine kleine Auswahl aus dem riesigen Angebot. Dann gab es noch, in der Einsamkeit der vielen Seen und bunten Wälder, Reiher und einen Fischadler, hoch über uns. Und endlich ein sonniges Plätzchen am Ufer, ohne allzu sehr vom dicht wachsenden Schilf beim Anlegen behindert zu werden. Und es gab echte Wassernixen...
Vom "großen Friedrich" sahen wir nichts (vielleicht beim nächsten Mal?) – nur sein Schloss von weitem. Und das war eingerüstet. Einen Teil des Schlossparks konnten wir vom Boot aus bewundern. So, wie es wohl auch der spätere "alte Fritz" in jungen Jahren tat. 1736 – 1740 lebte er auf Schloss Rheinsberg. Es waren die schönsten Jahre seines Lebens.
Gudrun Walter
6. Fahrtenbericht Männerwanderfahrt auf der Mittelweser
Frauenlose Erholung für WSV-Ruderer
Die diesjährige, mittlerweile 5. Herrenwanderfahrt des WSV Altwarmbüchen stand unter dem Motto „Einigkeit und Freiheit auf der Mittelweser“. Die wie immer von Ruderwanderwart Bernhard hervorragend bis ins kleinste Detail geplante Fahrt führte sieben WSV-Männer am Wochenende vom 12. – 14.10.07 auf eine 63 km lange Ruderstrecke von Minden nach Nienburg.
Die Anreise nach Stolzenau an die Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen gestaltete sich für die für den Bootstransport zuständige Gruppe als ziemlich aufwändig: Gut fünf Stunden brauchte sie für die ca. 60 km lange Strecke – das Zugfahrzeug mit dem bekannten Stern wollte lieber das Wochenende in einer Werkstatt in Garbsen verbringen. Der Abend wurde dann trotzdem noch ein schöner Fahrtauftakt. In einer gemütlichen und mit einer guten Küche ausgestatteten Gaststätte fand u.a. eine Fahrtbesprechung statt. Die Pläne für den Transport der Boote, der Autos und der Ruderer mussten aufgrund der späten Anreise neu geschmiedet werden. Hier stieß auch Udo, ein ehemaliger Ruderkamerad von Bernhard, zur Gruppe. Als noch immer aktiver Ruderer, als Einheimischer und als ehemaliger Lehrer hatte er hervorragende Kenntnisse sowohl vom Fluss als auch von allem Wissenswerten an Land. Höhepunkt des Abends war die mitternächtliche Werbeveranstaltung des Ortsbürgermeisters für Stolzenau, der durch Zufall an unserem Tisch hängen blieb und uns einen wortreichen Überblick über die Geschichte, die zukünftige Entwicklung sowie die Probleme von Stolzenau und seiner Umgebung gab.
Der Samstag begann um 8 Uhr mit einem umfangreichen Frühstück in unserer fliegenfreien Unterkunft, dem Gästehaus der Nationen, einer ehemaligen niederländischen Kaserne. In dieser Umgebung drängten natürlich auf Grund der beruflichen Vergangenheit von Bernhard und Eckhard viele Erinnerungen wieder ans Tageslicht, denen die Übrigen teilweise staunend lauschten. Um 9 Uhr war Abfahrt nach Minden, um 10 Uhr wurden die Boote aufgeriggert und um 10:30 Uhr legten der Vierer und Zweier vom Steg des Besseler Ruderclubs an der Schnittstelle zwischen Weser und Mittellandkanal bei herrlichem Herbstwetter ab. Auch die Weser war bester Laune, sie spendierte uns in einigen Abschnitten einen Vortrieb von mehr als 5 km/h. Zwei Schleusen galt es auf dieser Etappe zu überwinden: In Petershagen benutzten wir eine Bootsgasse, in der die Boote unbemannt (den Fettdruck verstehen nur die Beteiligten, aus Rücksicht auf einen Einzelnen wird der Fahrtbericht hier nicht genauer) getreidelt werden.
Noch bei keiner Ruderwanderfahrt konnte die meditative Kraft des Ruderns so deutlich erlebt werden: Gleichmäßige Bewegungen und eine für Städter ungewohnte Ruhe auf und an der Weser führten dazu, dass der Berichterstatter während der Samstagnachmittag-Etappe durch Sekundenschlaf einige Male aus dem Rudertakt fiel.
Die zweite Schleuse schafften wir in Rekordzeit, so dass wir überpünktlich um 15 Uhr nach knapp 40 km am extra für uns an diesem Tag reparierten Steg des Ruderclubs Stolzenau ankamen. Das mittlerweile traditionelle von Klaus gespendete Schwarzbier am Ende der ersten Etappe schmeckte auch diesmal hervorragend. Jetzt stand Kultur auf dem Programm: Ein etwas unkonventioneller ‚Führer’ brachte uns das rund 850 Jahre alte Zisterzienser-Kloster Loccum in einer einstündigen ‚Führung’ näher. Wir Beteiligten wissen jetzt woher der Ausdruck ‚halt die Klappe’ kommt. An der anschließenden, vor allem bei Pilgern beliebten, täglichen Hora haben wir teilgenommen; auch hier kam es zu ‚meditativen’ Momenten. Nach einem üppigen Mahl in einem nahe gelegenen Restaurant erreichten wir pünktlich zu den Nationalhymnen von Irland und Deutschland den Fernseher in der ehemaligen Offiziersmesse in unserer Unterkunft. Das grottenschlechte Fußballspiel ermattete uns so sehr, dass wir um 23 Uhr alle in den Federn lagen. Noch mal zur Verdeutlichung: Es ist Männerwanderfahrt, es ist Samstagabend und alle sind um 23 Uhr im Bett (jeder alleine)!
Vom sonntäglichen Frühstück bleibt vor allem ein ehefraulicher Telefonanruf in Erinnerung. Aus politischen Gründen gibt der Schreiber auch hier keine weiteren Details preis. Eines sei nur verraten, das Fahrtmotto (siehe oben) stand nicht in Gefahr. Wenn wir ehrlich sind, sind wir auch auf dieser Herrenfahrt nicht ganz ohne Frau ausgekommen: Uschi, Frau von Udo, hat netterweise einige verschwitzte Männer per Auto transportiert: auch an dieser Stelle vielen Dank dafür!
Die zweite, rund 24 km lange Etappe von Stolzenau nach Nienburg verlief ohne größere Ereignisse, die ruhige Flusslandschaft und das herrliche Wetter taten das ihre, um alle wunderbar zu erholen. Auch die Heimfahrt verlief ohne Komplikationen, so dass alle entspannt, gut gelaunt und leicht gebräunt in Altwarmbüchen ankamen. Es ist sicher ein sehr gutes Zeichen, dass auf der Rückfahrt schon Pläne für die nächste Wanderfahrt gemacht wurden.
Thomas Wonik