Berichte aus dem Ruderjahr 2010

a) Weinsinnige Moseltour 10.10. - 16.10.

b) Weiberwanderfahrt nach Hamburg 01.10. - 03.10.

c) Die Wanderfahrt auf der Aller, die keine war (Aller Leine Wochenende vom 31.07. - 01.08)

d) Rudern & Kultur: Wanderrudern auf der schönen blauen Donau vom 25.06. - 04.07.

e) Pfingstwanderfahrt 2010 - Hunte ganz beschaulich

f) Himmelfahrt im Elbe-Havel-Dreieck

g) Wesermarathon Anfang April

h) Winterpause    

i) Ungeahnte Dichterkünste - oder was Ruderabstinenz für Auswirkungen hat

j) Neujahrsachter: Neujahrstreffen der Ruderer am 10.01.10


a)  Weinsinnige Moselfahrt

Zeitraum: 11. – 16.10.10 (Montag – Samstag)
Teilnehmer: Klaus, Frauke, Rita & Reinhold (bis Freitagganzfrüh), Sigrid & Leo, Klaudia (ab Mittwochnachmittag, Renate, Thomas W. sowie die Ex-WSVer und heutigen Trierer Mechthild & Thomas S. und Ute & Rolf (teilweise anwesend)
Organisatoren: Erst Bernhard, dann Klaus und Frauke mit Hilfe von Rita (Quartiermeisterin) und Reinhold (Fahrradtour-Organisator)
Boote: Fango (Vierer) und Moorlady (Zweier)
Strecke: Saarburg – Trier – T(r)ittenheim – Bernkastel-Kues – Traben-Trarbach – Zell.
Streckenkilometer: 25 – 38 – 28 – 22 – 17 = 130.
Schleusen: Kanzem (Saar); Trier, Detzem, Wintrich, Zeltingen und Enkirch mit zum Teil beträchtlichen Schleusenhöhen von größer als 10 m. Nur in Enkirch funktionierte die Bootsschleuse, ansonsten wurde die Hauptschleuse, z. T. gemeinsam mit der Berufsschifffahrt, benutzt.
Wetter: Die Temperaturen schwankten von 20°C (Dienstagnachmittag; kurzes Hemd und kurze Hose) bis 2°C bei Nebel (Donnerstag früh; Fleecemütze und Handschuhe). Die Wolkenbedeckung zeigte auch ihr volles Spektrum: strahlendblauer Himmel bis den ganzen Tag bedeckt (Freitag und Samstag). Geregnet hat es nur in der Nacht von Freitag auf Samstag und ganz fürchterlich auf dem Heimweg.
Der Wind nahm im Laufe der Woche von 4 Bft auf Windstille ab. Er kam aus NE, d.h. Gegenwind. Sein Einfluss auf die Boote war meist stärker als die schwach strömende Mosel.
Unterkünfte: Die ersten Nächte haben wir in Trier in der von einem Taxifahrer benannten Bruchbudenstraße verbracht. Es gibt einiges sicher geschäftsschädigendes über das Hotel zu berichten. Als ärgerlichstes sei aber nur erwähnt, dass Klaudia trotz der Abmeldung des Zimmers eine Woche vorher für drei Nächte zahlen musste, obwohl sie es nicht benutzen konnte. Gewöhnungsbedürftig für uns war auf jeden Fall das Verhalten der Hotel-Eigentümer beim Frühstück: Wir haben den Belag für unser (eines) Brötchen auf den Teller serviert bekommen, was einigen von uns, die zu früher Stunde nicht entscheidungsfreudig sind, viel abverlangte. Als positives Highlight muss auf jeden Fall noch der Eierschalensollbruchstellenverursacher - Eierköpfer Clack erwähnt werden – er hat die Fantasie der weiblichen Fahrtteilnehmer doch sehr beflügelt. Der Name des Hotels wird hier nicht erwähnt. Ein kleiner Hinweis wird trotzdem gegeben: Es gibt ein Nobel-Hotel, was einen Doppelnamen hat, nach dessen vorderem, hier nicht gesuchten Namensteil ein Salat benannt ist.
In Bernkastel sind wir in einer chicen Unterkunft mit guter Küche untergekommen, leider nur für eine Nacht.
In Trabach-Trarbach haben wir die letzte Fahrtnacht direkt an der Mosel verbracht. In einigen Zimmern ging die Heizung nicht, so dass wir uns jugendherbergsmäßig bei Klaus im Zimmer zum Absackertrinken zusammenrotten mussten.
Rahmenprogramm: Das Fahrtprogramm war ziemlich dicht gepackt. Eine Klage von einigen Fahrtteilnehmerinnen klingt mir noch im Ohr: ‚Ich komme nicht mal dazu, meine Haare zu waschen.’
11.10.: Um 17 Uhr stand eine Weinbergführung mit anschließender Weinprobe auf dem Programm. Ein überaus engagierter Herr Oberbillig (irgendwie kann ich diesen Namen nicht vergessen) führte uns bei strahlendem Sonnenschein durch die Weinberge oberhalb von Trier und in die Gedankengänge und Sorgen von Winzern ein. Zur Weinprobe gesellten sich Mechthild und Thomas S., die nun schon mehrere Jahre in Trier leben, zu uns, und am Tisch vermehrte sich das Wissen über Moselweine schlagartig. Acht verschiedene Weine wurden probiert und hinterließen ihren Eindruck und Einfluss bei den Probanden. Einige Weinsorten waren so lecker, dass der arme Herr Oberbillig am Donnerstagmorgen von Reinhold um 7:30 Uhr zwecks Weinkistenkaufs geweckt wurde. Wenn er wüsste, dass Reinhold davor schon etliche Stunden wach und u.a. joggen war…
12.10.: Abends war Essen im Restaurant Weisshaus an der nördlichen Moselseite über Trier angesagt. Unter dem Motto „Oben Wir, unten Trier“ genossen wir auch im Dunklen den tollen Blick auf Trier sowie das leckere Essen. Hier stießen Ute und Rolf dazu, die auch als Ex-WSVer nach Trier ausgewandert waren. Viel gab es zu erzählen, und nicht nur über die Unterschiede beim Rudern in Altwarmbüchen und in Trier...
13.10.: Ruderfrei war der Mittwoch. Eine Radtour stand auf dem Programm: Von Trier nach Saarburg und zurück (50 km) ging es. Dafür brauchten wir von 9:45 Uhr bis 14:30 Uhr inkl. einer kurzen Mittagspause am Wasserfall in Saarburg. Hier lernte ich einen wichtigen Unterschied zwischen Zwiebel- und Flammkuchen kennen: Der erst genannte wird nur in der Mikrowelle aufgewärmt, während Flammkuchen erst belegt und dann ‚richtig’ in den Ofen muss (was natürlich wesentlich länger dauert). Zurück machte Allen der starke und kalte Gegenwind sehr zu schaffen. Immerhin waren wir rechtzeitig zur Führung „Das Geheimnis der Porta Nigra“ wieder in Trier. Die nahtlos anschließende Stadtführung von Thomas S. brachte uns eine sehr kompetente Ergänzung zur römischen Geschichte der Porta Nigra. Trier habe ich jedenfalls noch nie als Geburtsort von Karl Marx auf dem Schirm gehabt. In der Weinstube Kesselstatt tauten wir langsam wieder auf, denn der Wind hatte es doch empfindlich kalt werden lassen. Der Abend gestaltete sich als inoffizielle Weinprobe - ich gehe davon aus, dass keiner der im Lokal zahlreich vorhandenen Weine nicht den Weg auf unseren Tisch gefunden hat.
14.10.: Durch den Umzug von Trier nach Bernkastel-Kues und die damit verbundene Logistik konnte die Stadt leider nicht besichtigt werden. Außerhalb der Ruderei fand lediglich ein gemeinsames Abendessen in unserem Hotel statt.
15.10.: Ganz anders am nächsten Tag, wo wir nach dem Rudern an einer interessanten Unterweltführung durch die Weinkellergewölbe mit abschließender Weinprobe im schönsten Gewölbe in Traben-Trarbach teilnahmen. Danach haben wir uns dank der Herbstferien und der damit verbundenen größeren Touristenzahl schwer getan, ein Lokal für uns zu finden, so dass wir erst im ersten Stock der „Goldenen Traube“ in einem Aufenthaltsraum für Hotelgäste Platz gefunden haben und endlich Spezialitäten aus der Eifel wie z.B. Gräwes (Kartoffelpüree mit Sauerkraut) probieren konnten.
16.10. Das Abschieds-Kuchenessen nach der Ankunft in Zell war eine gute Sache: So konnte noch einmal die gemeinsam erlebte Woche ‚erlebt’ werden. Alle waren sich sehr einig, dass es eine weinsinnige und keine wahn- Wanderfahrt war!
Besonderes: Ritas Geburtstagslied beim mittwöchlichem Frühstück in besagtem Hotel bewies eindrücklich die sängerischen Qualitäten bei einigen der WSVerinnen. Nicht nur ‚das Tor geht auf’, wie es bei jeder Schleuse erklingt, kann sich gut hören lassen.
Bei der Führung durch die Porta Nigra durch einen als römischen Centurio verkleideten Schauspieler wurde Frauke von ihm ‚Täubchen’ genannt. Ich stand direkt daneben und wusste gleich, dass er mich nicht meinte.
Am Samstag auf dem schönsten Teilstück von Bernkastel nach Traben-Trarbach schallte es plötzlich am Ufer aus einem Baum mehrfach: „Klaus ist doof“. Zwei Jungs hatten sich dort versteckt – ich vermute, es war Zufall, dass unser Klaus gerade in diesem Moment vorbei ruderte und auf Grund des steinigen Ufers leider keine Anlegemöglichkeit bestand.
Dank: Der Dank geht an alle Beteiligte für diese mit vielen schönen Eindrücken voll gepackte und trotzdem erholsame Woche, besonders an die Organisatoren (siehe oben). Besonders bedanken will ich mich bei Thomas S., der sich sehr große Mühe gegeben hat, uns die ältere und neuere Geschichte von Trier nahe zu bringen.

T.W.

b) Weiberwanderfahrt nach Hamburg vom 1. - 3. Oktober 2010

Am Nachmittag des 1. Oktober machten sich 5 Ruderinnen des WSV in die Weltstadt Hamburg auf, um bei kühler Witterung eine Wanderfahrt zu unternehmen. Dank Regina, unserem Glückstreffer (Dagmar hatte wegen einer Halsentzündung kurzfristig absagen müssen), wurde unser Niedersachsenticket von Hannover Hbf. bis U-Bahn-Haltestelle Hamburg, Saarlandstr. voll ausgenutzt. Sie winkte beschwingt aus der Zugtür, als Klaudia und ich in Isernhagen einstiegen. Wir hatten kaum unsere Plätze eingenommen, als der Zug auch schon in Großburgwedel hielt. Doch wo waren Elke und Gaby? Klaudia, stets gelassen, durchsuchte die Ober- und Unterwagenabteile. Schließlich saßen wir fröhlich beieinander und harrten der Dinge, die uns das Wochenende erwarten sollten.
Um 18.30 den ARV Hanseat von 1925 in Hamburg-Barmbek erreicht, empfing uns Beke (netter Name, nicht wahr?), die Wanderruderwartin. Neben einem Doppelklinkerboot stellte uns der Verein auch sein Haus zum Übernachten zur Verfügung (keinesfalls ein Apartment, sondern den Fußboden!). Mittlerweile war es stockdunkel, und wir machten uns auf, für Frühstück am Samstag und Sonntag einzukaufen. Beim Griechen stillten wir unseren Hunger und kehrten dann in „unser Haus“ zurück. Nach einem gemütlichen Absacker (Wodka mit Feige von Regina) fielen wir auf unsere Matratzen, ohne nicht vorher unsere Zähne mit kaltem Wasser (der Weg in die Duschen war uns zu weit) geputzt zu haben. Da Klaudias Luma immer wieder an Fülle nachließ, bezog sie das Pokal- und Vorratszimmer, um auf 2 zusammengestellten Sofas diagonal liegend dem Morgen entgegenzuschlummern.
Ein üppiges Frühstück bot uns Kraft für die mit der „Alster“ zu rudernden 30 km. Vorbei an zu Restaurants und zu Wohnungen umgebauten Fabrikgebäuden gerieten wir aus dem ruhigen Osterbekkanal auf eine unruhige Außenalster. Klare Ansagen, hoch- scheren, die Segelregatta beachtend, erwartete uns der Eilbekkanal. Weniger die noch nicht allzu herbstlich gefärbten Laubbäume als die 9 dort liegenden futuristischen Hausboote sowie die bemerkenswerten Brücken aus dem 19. Jahrhundert erregten unser Interesse. Ganz gelassen machten wir am Ende des Kanals eine Wende, der auf A3 vergrößerte Plan wurde herausgeholt, meine über die Bordwand gesprungene Brille aus dem Wasser gefischt und Richtung Außenalster zurückgerudert.
Wir hatten uns an das Auf und Ab auf der Außenalster schon gewöhnt (nur Gaby war's immer noch lieber im Kanal) und erreichten – kräftig ziehend – alsbald den Rondeelteich, der uns nach romantischen Fahrten unter kleinen, engen Brücken in die Alster führte. Jetzt hieß es freiweg Richtung Winterhuder Fährhaus, vorbei an manch einem Angler (welche Fische befinden sich eigentlich in der Alster?). Ein passender Anleger des akademischen RV Alania bot uns schließlich die Gelegenheit, unser Mittagsmahl einzunehmen. 13°C, aber wenig Wind, ließen uns alsbald wieder rudern. Wir nahmen die niedrigen Brücken, 90°-Kurven nun schon mit Bravour. Elke, das Anfeuern vom Schwimmsport gewöhnt, ließ ihre Steuerfrau-Stimme erklingen, nicht ohne sich über „1000“ Kanuten, die uns breit über den Kanal entgenkamen, zu wundern. „Was ist hier los?“ „Grachtenfahrt der Kanuten“.
Im ARV erwartete uns nach des 1. Tages Müh' – heißer Kaffee, der Apfelkuchen-Cup und nette Vereinsmitglieder. Verschiedene Apfelkuchen wurden probiert, jede(r) gab seine Bewertung ab, und nach den Regeln des European-Song-Contests wurde der Sieger ermittelt. Übrigens ein nachahmenswertes Event!
Hamburg bei Nacht und Deftiges zu essen – das war jetzt unser Ziel. Die Gastronomie am Gänsemarkt, Jungfernstieg, in der Europa-Galerie – war entweder zu pompös oder hatte bereits geschlossen. Dennoch erwischten wir nach einem ausgiebigen Bummel, bei dem Außergewöhnliches, Elegantes, Vielfältiges und Hochpreisiges unsere Augen weitete, gegen 22 Uhr das Leopold's auf den Colonnaden. Gaby brauchte z. B. eine Haxe, ich einen Wurstsalat mit Oktoberfestbier, und Elke nur einen kleinen Salat. Um 23 Uhr schloss das Leopold's, und wir vergnügten uns bis 1.30 Uhr in unserem Zeit-Zuhause bei Sekt, einem kleinen Gläschen Likör und launigen Gesprächen.
Am Sonntag ließen wir erst einmal Petrus den Himmel wieder schließen. Dann ging's bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 18°C um 11 Uhr auf unsere 16 km lange Abschluss-Strecke, vorbei an gepflegten Außenanlagen, edlen Häusern alter Baustile, noch einmal in den Rondeelteich und auf die Außenalster und zurück zum ARV.
Der Nachmittag nahte, um 14.50 Uhr erreichten wir nach 10-minütigem Fußweg (übrigens bei bestem Wetter) die U-Bahn, und um 16 Uhr ließen wir ein vorerst letztes Mal unsere Blicke über die weltoffene Hafenstadt Hamburg schweifen. Der Metronom brachte uns gegen 18 Uhr zurück in heimatliche Gefilde,
Wir 5 haben ein harmonisches Wochenende mit vielen netten Erlebnissen verlebt.
Pläne für's nächste Jahr haben wir auch schon geschmiedet – im Zug.

Sigrid Wüstefeld

c) Aller Leine Wochenende vom 31.07. - 01.08.

Die Wanderfahrt auf der Aller, die keine war

Mit zwei Vierern beschaulich auf Aller und Leine – so verbrachten zehn Ruderer des WSV das Wochenende 31.07./01.08. Sonnabend ging es 23 km die Aller überwiegend flussabwärts; von den 16 km am Sonntag musste die Hälfte gegen den Strom der Leine gerudert werden. Die insgesamt 39 km bedeuteten, dass es keine Wanderfahrt war, die da stattfand. Die definiert der Deutschen Ruderverband nämlich als eintägige Fahrten mit mindestens 30 km bzw. Fahrten mit mindestens zwei aufeinander folgenden Rudertagen und einer Gesamtstrecke von mindestens 40 km. Abgesehen von dem fehlenden Kilometer war aber alles wie bei einer richtigen Wanderfahrt: Verladen der Boote am WSV-Bootshaus am Vortag, Bootstransport zur Allerbrücke bei Jeversen, Aufriggern und Zu-Wasser-Lassen der beiden Vierer, schönes Wetter, leichte Schmerzen im Hinterteil, ein paar Blasen an den Händen vom Rudern und Wasser Pumpen (zum Waschen und Bier Kühlen), nette Leute im Boot, geteilter Proviant in fester und flüssiger Form, Wechsel der Steuerleute während der Fahrt, kleine Wasserschlachten sowie überaus erholsame Pausen.

Eingeladen hatte zu diesem Klassiker Jürgen – vielen Dank für Deinen Einsatz! Die Strecke am Samstag führte uns von Jeversen nach Schleusung in Marklendorf unter der BAB 7 südlich der Raststätte Allertal-Ost hindurch an Essel vorbei bis zur Schleuse Hademstorf. Wer einmal bei der Überquerung der Autobahnbrücke über die Aller nach rechts oder links geschaut hat, hat einen Eindruck von der fast menschenleeren Landschaft mit diesem mit zwei km/h dahin fließenden Fluss. Laut Wikipedia fließt die Aller gemächlich in relativ naturbelassener Umgebung entlang von Wiesen und Wäldern und durch kleinere Dörfer sowie Landstädte.

In Hademstorf machten wir unser traditionelles Schleusenpicknick, was bei allen Beteiligten eine gehörige „Schleusenschwere“ (O-Ton Bernhard) erzeugte. Vor allem Frauke, die am Vorabend an einer Hochzeit (nicht ihrer eigenen) teilgenommen hat, kämpfe mit dem Schlaf – zeitweise verlor sie. Sie träumte von was blau-gelbem; mehr wollte sie nicht erzählen. Nach dieser Pause ging es sechs km stromaufwärts zurück nach Essel zum Standquartier, der Hütte der Alten Herren vom Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, bei der wir zelteten. Jürgen hat in seiner Ausschreibung der Nicht-Wanderfahrt die passenden Worte gefunden: „Klo und Brunnen sind vorhanden, ansonsten ist alles sehr rustikal...“ Der Abend stand unter dem Motto Schwenkbraten. Da eine gehörige Portion Bratwürste aus den WSV-Beständen aufgetaut worden war, stand diesmal der Wettbewerb um das dickste Steak nicht im Vordergrund. Nur eine Bemerkung dazu: Klaus, der Sieger der Vorjahre, hätte diesmal klar gegen Bernhard verloren. Flüssige Verdauungshilfen gab es auch, wobei besonders 95prozentiger Sprit aus Polen die Aufmerksamkeit (u. a. als Brandbeschleuniger und Hornissenabwehrmittel) erregte. Eine Nicht-Genannte erfand flugs ein neues Getränk aus Zitronensaft und dieser farblosen, harmlos aussehenden Flüssigkeit. Tests ergaben aber, dass sie die Einzige war, die diese Mischung für nicht gesundheitsschädlich hielt. Am späteren Abend gesellte sich dann noch eine Junge Schwedin dazu (es war die Schwester von Gammel Dansk).

Der Elan reichte und das Wetter hielt sich allen Unkenrufen zum Trotz. Also wurde am Sonntag noch einmal bis Hademstorf gerudert, und nach dem Umtragen der Boote ums Wehr die Fahrt durch das nun zum Teil sehr seichte Fahrwasser fortgesetzt bis zur Leine. Nun hieß es kräftig arbeiten gegen den Strom des sich idyllisch dahinwindenden Flüsschens. Der Blick auf das abwechslungsreiche Uferpanorama entschädigte für die Mühen; vorbei ging es an der Windmühle von Bothmer; dann lugten Schloss und Parkanlage durch die Bäume am Ufer. Schließlich fragte aber selbst Frauke, ob es noch weit sei bis zum Hafen von Schwarmstedt, unserem Ziel. War es nicht, allerdings konnten wir in den fast verlandeten Hafen nicht einfahren; dafür lag ein Ponton vor der Einfahrt. Von dort aus hieß es die Boote eine beachtliche Strecke zur Straße bis zum Hänger tragen – vorbei an erstaunlichen Pollern, an denen man Küstenschiffe festmachen könnte, Zum Abschluss gab es ein Picknick; die am Vorabend übrig gebliebenen Würstchen fanden jetzt reißenden Absatz und verschiedene Kuchen wurden auch noch hervorgezaubert. Der lang erwartete Regenguss ging erst in Altwarmbüchen beim Abladen der Boote nieder.

Fazit: eine rundherum gelungene Wander.. – äh: Fahrt.

Thomas Wonik/Dagmar Thürmann



d) Wanderrudern auf der schönen blauen Donau

Das Motto der Ruderwanderfahrt zu Beginn der Sommerferien lautete "Rudern & Kultur". Mit den Planungen hatte Fahrtenleiter Bernhard Brand schon früh begonnen und eine interessante Tour für die WSV-Ruderer ausgearbeitet. Von Neuburg a. d. Donau starteten Etappen nach Donauwörth, Ingolstadt, Kloster Weltenburg und Kelheim. Trotz großer Hitze war es auf der Donau angenehm und bis Kelheim waren nur die Ruderschläge der beiden Gig-Doppel-Vierer zu hören. Zwischendurch gab es jedoch jede Menge Abwechslung. In Neuburg sahen wir auf der Freilichtbühne das Theaterstück" D'Artagnans Tochter". Natürlich wurde auch die Fußball-Weltmeisterschaft im Biergarten verfolgt und die Neuburger Altstadt besichtigt. In Ingolstadt blieben die Boote über Nacht liegen. Daher trat man den Rückweg nach Neuburg mit Fahrrädern auf dem Donau-Radweg an. Das weltberühmte Kloster Weltenburg wurde nach der Besichtigung der Befreiungshalle in Kelheim, die zum Andenken an die gewonnenen Schlachten gegen Napoleon während der Befreiungskriege errichtet worden ist, von Kelheim aus zu Fuß erwandert. In Kelheim durfte die Brauereibesichtigung bei "Schneider Weisse" nicht fehlen. Nach dem eigenhändigen Zapfen von Jungbier aus einer historischen Füllerei genoss man den Brauerei eigenen Biergarten bei Verköstigung diverser Biersorten. Spannend war nicht nur die Fahrt durch den felsigen Donaudurchbruch, wo uns drei große Ausflugsdampfer begegneten und die Steuerleute gefordert wurden, sondern auch die Überwindung zahlreicher Staustufen zwischen Donauwörth und Kelheim. Da es nur Selbstbedienungsschleusen gab, verließ jedes Mal ein Ruderer das Boot, um als Schleusenwärter zu fungieren. Erschwert wurde oftmals die Ausfahrt ins Unterwasser, denn es hatte sich viel Treibholz - ja sogar halbe Baumstämme - vor den Schleusentoren angesammelt. Die 5. Etappe der Wanderfahrt führte nach Regensburg. Hier gab es weitere Highlights. Nach der geführten Stadtbesichtigung ging es mit Fahrrädern und zu Fuß auf den 405m hohen Bräuberg zur großen Ruhmes- und Ehrenhalle, dem Tempelbau Walhalla, wo Büsten bedeutender Männer und Frauen der deutschen Geschichte, Politik, Dynastien und der Kunst ausgestellt werden. Die sechste und letzte Etappe führte auf die Naab, ein Nebenfluss der Donau. Dieser Fluss ist für Boote mit Motorantrieb gesperrt, so dass hier neben dem Rudern die ungetrübten Badefreuden bei hochsommerlichen Temperaturen zur Erfrischung beitrugen. Das Abendprogramm endete beim Sommerfest im Schlossgarten von Thurn u. Taxis. Nach neun wunderschönen Tagen und 161 Ruderkilometern stand für alle Teilnehmer fest, dass weder Rudern noch Kultur zu kurz gekommen waren.
U.B.

e) Pfingstwanderfahrt

Hunte ganz beschaulich
Thomas Wonik

Das habe ich wirklich nicht erwartet: Ich stehe auf einem Sandstrand; es fühlt sich an wie am Meer. Das Wasser ist mit 13 Grad gerade noch erträglich für die Füße. Ich befinde mich auf dem westlichen Weserstrand ein Stück nördlich von Elsfleth kurz hinter der Mündung der Hunte. Die diesjährige Pfingstruderwanderfahrt des WSV endet damit ziemlich ungewöhnlich.

Jetzt heißt es, zwei Vierer, die dazugehörigen Ruder und einiges an weiterer Ausrüstung über den Deich zu tragen und für den Rücktransport vorzubereiten. Von den acht WSV-Ruderern und zwei Steuerleuten sind einige unterwegs, um die Autos inklusive dem Bootsanhänger von unserem Standquartier, dem Oldenburger Ruderverein zu holen. Die Boote sollen gleich verladen werden und danach soll es wieder Richtung Altwarmbüchener See gehen. Caroline, die älteste Tochter von Dorothea und Klaus, unserem Fahrtenleiter, lebt in Oldenburg und ist so nett und bringt die Fahrer zurück nach Oldenburg. Ich kenne Caroline von Kindesbeinen an, und es ist schon ein seltsames, aber schönes Gefühl zu sehen, dass sie im September Nachwuchs erwartet. Auch an dieser Stelle danken ihr alle Beteiligten unserer Wanderfahrt für ihre Hilfe und wünschen ihr alles Gute für ihre kommende Aufgabe!

Gut, dass die Dorfjugend unsere Ankunft mitverfolgt hat. Nach einigem guten Zureden helfen sie uns, die Boote in Richtung Straße zu tragen. Die Anwohner hinter dem Deich beäugen uns misstrauisch, da hier am Strand so ganz ohne Steg noch nie Ruderboote angelegt haben. Zum ersten Mal in meiner „Rudererkarriere“ hat mir heute die Ebbe beim Rudern geholfen und dies deutlich merkbar! Ein tolles Gefühl, das Wasser vor allem in Ufernähe so schnell Richtung Meer sich zurückziehen zu sehen. Der Wind war nicht ganz unser Freund auf der heutigen 30 km langen Etappe: 3 bis 4 Windstärken meist von der Backbordseite machten heute das Steuern auf der Hunte anspruchsvoll, vor allem beim Passieren von Motorjachten und Ausflugsbooten. Deren Wellen in Verbindung mit dem starken Seitenwind und dem steinigen Ufer erforderten schon einiges an Erfahrung an den Steuerseilen. Dafür hatten wir Glück bei Petrus – kein Tropfen Wasser von oben. In Altwarmbüchen wären wir Pfingstmontagnachmittag deutlich nasser geworden. Ach ja, zwei besondere Bonbons waren uns heute gegönnt: Wir unterquerten die riesige Autobahnbrücke der A29 zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven, die einige Beteiligte aus der Autosicht kannten und somit für viel Gesprächsstoff sorgte. Außerdem passierten wir kurz vor Elsfleth die Gorch Fock, die in der dortigen Werft am Kai lag – Erinnerungen an 10 Mark-Scheine kamen auf. Unser heutiges tidenabhängige Rudern erforderte, dass wir erst spät starteten, denn erst um 13:23 Uhr waren die Gezeiten auf unserer Seite. So hatten wir die Gelegenheit, im Oldenburger Hafen mitten in der Stadt anzuhalten und ein Eis zu essen; auch beides nicht alltägliche Dinge bei einer Ruderwanderfahrt.

Freitagmittag hatten sich die Teilnehmer trotz Staugefahr in Gang gesetzt. Gut, dass Renate einfiel, dass die Aller-Raststätte eine „heimliche“ Ausfahrt besitzt. Der dortige Stau hat sich im Laufe des Tages auf über 30 km ausgedehnt. Da waren wir allerdings schon beim Oldenburger Ruderverein angekommen und hatten unsere Luftmatratzenquartiere, verteilt über das großzügige Vereinsgebäude, bezogen. Als Präludium verstand Klaus eine erste 5 km lange Warmfahrausfahrt auf der Hunte. Das Abendessen gab es im Vereinssalon, zubereitet vom Hausmeisterehepaar, die uns an den folgenden Tagen auch mit einem leckeren Frühstück inklusive gutem Kaffee nett versorgten.

Am Samstag fuhren wir bei Sonnenschein und knapp 22°C rund 25 km auf der Hunte - erst flussaufwärts gegen eine schwache Strömung und dann denselben Weg zurück. Am Umkehrpunkt gab es ein beschauliches Picknick an einem Waldrand. Insgesamt handelte es sich um eine friedliche und entspannte, niemanden überfordernde Etappe bis auf eine tückische Untiefe in einer engen Kurve. Besonders erwähnt werden muss eine, sich auf einem Stein sonnende, rund 30 cm große und sicher nicht zur ortstypischen Tierwelt gehörende Rotwangen-Schmuckschildkröte. Frauke in ihrem Nebenjob als Fotowartin hat dies alles erstklassig festgehalten: Beweisfoto siehe unter Bildergalerie ’10 auf der Seite http://wsv-altwarmbuechen-rudern.de. Nachmittags gab es eine professionelle Stadt- und Schlossparkführung in Oldenburg, die im Ratskeller bei ‚lecker Essen’ endete. Danach schauten wir uns in im Oldenburger Kneipenviertel die Bayernschlappe im Finale der Championsliga gegen die Söldnertruppe aus Mailand an. Wir waren uns alle, obwohl wir uns im Wander-Modus befanden, mal wieder einig, dass Fußball doch sehr überbewertet wird und Rudern eindeutig der bessere und spannendere Sport ist.

Pfingstsonntag war das Wetter noch besser: 23 °C und leichter Wind. 31 km auf dem ebenfalls direkt am Ruderverein Oldenburg vorbei fließenden Küstenkanal Richtung Westen waren sehr erholsam, denn es gab reichlich Zeit für viele kommunikative Pausen auf dem Wasser. Zwischendurch an Land zu gelangen verlangte allerdings von allen Beteiligten akrobatische Künste. Die Kraxelei lohnte sich, denn die Pause hatte mit Fraukes APS-Kuchen (Apfel-Pudding-Streusel) einen kulinarischen Höhepunkt. Nach Rückankunft wurden vereinzelt Schmerzen am Allerwertesten beklagt – dies tat der guten Laune aber keinen Abbruch. Das Abendprogramm war international: Kubanisch Essen gehen und danach am Vereinsteg ‚junge Schwedin’ zum Absacken trinken. Vor allem beim ersten Abendabschnitt bewies Herbert eindrücklich, warum er schon auf mehreren Ruderspartenversammlungen zum Esswart nominiert worden war.

Da kommen auch schon die Autos und der Bootsanhänger. Am Ende des Hängerbeladens beendet Klaus eine beschauliche Wanderfahrt ohne Vereinsaustrittsandrohungen oder ähnliche diplomatische Verwicklungen. Dank von Allen an Klaus für die Organisation dieser schönen Zeit!

f) Himmelfahrt im Elbe-Havel-Dreieck
Thomas Wonik

Mittwochnachmittag (12.05.10) geht es los Richtung Ruderclub Rathenow Wiking. Egal zu welcher Zeit die drei WSV-Grüppchen losfahren, Hannover zu verlassen gestaltet sich durch eine geschickte Baustellenplanung auf den umgebenen Autobahnen als ungewohnt schwierig. Drei Stunden dauert unsere ca. 170 km lange Fahrt bis unser Auto inklusive der Boote, einem Vierer und einem Zweier, ankommt. Dagmar beglückt die Busmannschaft mit belegten Brötchen; Renate beweist sich beim Um-die-Wette-Sudoku als großes Talent.

Zu unserem Glück hat Udo den Koch vom ‚Alten Hafen’ überredet, um 21:30 Uhr für uns aus seinem Feierabend noch mal zurückzukommen und für uns zu kochen. Die elf angereisten WSVer sind froh über eine warme Mahlzeit, da es doch bei einstelliger Temperatur recht frisch ist.

Unsere Wanderfahrt ist mal wieder hervorragend von Bernhard vorbereitet: Drei Autos sind da, wir haben alle unsere Fahrräder dabei, mit unseren Quartieren hat alles bestens geklappt. Wir haben vor, in den nächsten vier Tagen 170 km in einem großen Dreieck auf der Havel, der Elbe und wieder der Havel zu rudern. Rathenow ist unser Standquartier, so dass wir nicht jede Nacht woanders schlafen müssen. Das ganze Unternehmen ist dadurch für den Landdienst etwas aufwändiger, da aber immer drei von elf Leuten nicht rudern, ist dies kein großer Nachteil. Wie gewohnt schläft Bernhard in seinem Wohnwagen und Klaus in seinem VW-Bus auf dem Vereinsgelände, Regina und Jürgen machen es sich im Vereinsheim bequem, Dagmar ist in einer Pension und Frauke, Daria, Alois. Udo, Renate und Thomas sind in einer anderen Pension untergekommen.

Donnerstag ist Vatertag bzw. Herrentag, wie die Einheimischen ihn nennen. Bis 17 Uhr ist strikte Geschlechtertrennung angesagt: Ein Frauen-Vierer und ein Herren-Zweier legen vom Steg in Rathenow ab und drei Männer schauen erstmal zu. Im Zweier wird nach 15 km gewechselt, so dass sich die 35 Tageskilometer bis Plaue gut überstehen lassen. Der geheime Herren-Wunsch, die Frauen würden schon unterwegs um Ablösung flehen, zerschlug sich... Es ist bei 10°C zwar kühl und bewölkt, aber trocken. Es geht erstmal 11 km Richtung Süden die Havel aufwärts, bevor es Richtung Osten weitergeht. Die Strömungsgeschwindigkeit von 2 km/h senkt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 7 Stundenkilometer, so dass wir netto fünf Stunden auf dem Wasser zubringen. Es kommt dabei zu einer Premiere: Frauke ist das erste Mal OB-Frau, sprich, sie hat die Verantwortung an Bord des Vierers übernommen. Mittags treffen wir am ostdeutschen Äquivalent zu einer „Pommesbude“ eine große Gruppe des Naumburger Rudervereins, die uns durch ihre Sangeskünste die Pause veredelt. Die Havel mäandriert in weiten Bögen durch eine grüne, nahezu menschen- und bootsleere Gegend. Viele tote Nebenarme zeigen an, dass der Fluss nicht immer den heutigen Verlauf hatte. Schon nach kurzer Ruderzeit sind die mitgebrachten Alltagssorgen vergessen – alles sieht sehr viel anders aus als der heimische Altwarmbüchener See. Auch an sicherheitstechnische Differenzen beim Verhalten während der Vorbeifahrt von Berufsschifffahrt und anderen Booten kann sich bald niemand mehr erinnern. Nur die damit verbundene Vermeidung des Wortes „ …“ wird nicht sofort vergessen. Am Ende der viertägigen Fahrt weiß eigentlich niemand mehr, welches Wort zum Unwort geworden war und warum.

Abends geht es wieder als gemischtgeschlechtliche Gruppe in Rathenow zum indischen Essen.

Der Freitag fängt für sechs von uns wieder mit Frühstück in der Pension XY an: Die Freundlichkeit der Inhaberin ist so aufgesetzt, dass es schon fast weh tut. Ihr Kaffee beweist ähnliche Qualitäten! Dass Alois zudem Fruchtjoghurt und Kräuterquark verwechselt, kann ihr allerdings nicht angelastet werden. Bei ähnlichem Wetter wie am Vortag geht es heute auf die Königsetappe mit 52 km, aufgeteilt in zwei Etappen (34 km und 18 km). Der Weg führt uns vom Plauer See über den Wendsee in den Elbe-Havel-Kanal (so man ihn mit einem guten Steuermann findet). Wir erreichen die Elbe nach Passieren der riesigen Schleuse Parey und rudern Richtung Norden bis zu unserem Tagesziel Tangermünde.

Der kluge Bernhard baut vor: Auf dem Weg von Rathenow zum Ruder-Club Plaue. (man beachte den Punkt) decken wir uns mit geräuchertem Fisch ein, der uns bei der Pause nach der ersten Etappe bei Genthin wieder zu neuen Kräften verhelfen wird.
Die Kanalstrecke ist zwar lang, aber gar nicht sooo langweilig, wie man vorher befürchten konnte – jede Menge Natur entschädigen für stetiges Geradeausfahren, was von den Steuerleuten einiges mentales Stehvermögen abverlangt. Ab und zu beginnt der eine oder andere von einer Wende nach 1,5 km (wie auf dem AWB-See) zu träumen. Niemand hat etwas dagegen, als wir die mit 6 km/h dahin fließende Elbe erreichen. Die Silhouette von Tangermünde erscheint am Horizont, und von da ab ist es nur noch ein Klacks bis zum Steg des einheimischen Rudervereins. Tangermünde ist Touristenort und dies merkt man: Überall stoßen wir auf nette (und volle) Restaurants, eindrucksvolle Gebäude und ansehnliche Ecken. Besondere Aufmerksamkeit gewinnt die Lehrer-Str., vor deren Straßenschild Frauke fotografisch von Dagmar verewigt wird. Wir beschließen, hier unser Abendessen einzunehmen und erst danach den Heimweg nach Rathenow anzutreten. Nach mehreren Versuchen finden wir die Kutscherstube. Dagmars Bestellung eines Crepe Suzettes setzt eine wahre Lawine in Gang: Die Restaurantmeisterin kommt aus dem Flambieren gar nicht mehr heraus bis die Küche kein Obst mehr meldet.

Der Samstag startet wieder mit gemeingefährlichem Kaffee (s.o.); das Wetter hat sich ebenfalls gegen uns verschworen: 7 Grad und Dauerregen. Die Steuerleute sehen aus Michelinmännchen und sind kaum wieder zu erkennen. Die Elbe schiebt uns wie am Vortag ungemein machtvoll zum 39 km entfernten Havelberg, so dass Spitzengeschwindigkeiten von 15 km/h erreicht werden können. Der Landdienst bestehend aus Regina, Renate und unserem Fahrtenleiter Bernhard wird von allen Seiten gelobt, steht er doch mit wärmendem und schmeckendem Kaffee genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Jachthafen Arneburg) und mit der Kamera in der Hand auf der Autofähre genau im Moment des Passierens der Boote. Es regnet weiter Bindfäden. Nach einiger Wartezeit vor der Schleuse an der Mündung der Havel in die Elbe sind alle durchgefroren und kurz danach froh, endlich wieder an Land zu sein. Das obligatorische Grillen fällt Petrus zum Opfer, so dass sich alle im „Alten Hafen“ in Rathenow zum Abendessen wieder treffen. Der Regen hat sich bei Udo so eingraben, dass er nach Rückkehr in der Pension seine Dusche mit Regenjacke betreten hat, erzählt jedenfalls sein Zimmergenosse Alois zwischen Hauptgang und Nachtisch.

Sonntag beginnt wie die Vortage mit abgezählten und ungenießbaren Kaffeetropfen, allerdings hat sich über Nacht das Wetter deutlich verbessert: heiter bei 15 Grad. 44 km von Havelberg bis Rathenow, die uns vom RC Rathenow niemand zutraut, liegen vor uns. Aber der Windgott ist in Form von Schiebewind auf unserer Seite. Streckenweise ist sogar Wellenreiten auf der gegen uns fließenden Havel möglich. So gelangen wir schneller als erwartet wieder in Rathenow an, diesmal im Ruderboot. Vorher gibt es noch Seeadler, Kormorane und etliche Biberburgen zu bestaunen. Die Stadtschleuse wird extra für uns in Betrieb genommen, so dass das große Dreieck tatsächlich bis zum letzten Meter gerudert werden kann. Der Landdienst hat aus allen Vorratsresten ein leckeres Buffet zusammengestellt, dass wir nach dem Verladen der Boote und kurz vor der Abfahrt Richtung Hannover gemeinsam verputzten. Bernhard als Fahrtenleiter wird von Allen gelobt – Frauke überreicht ihm eine Flasche Tangermünder Kuhschwanzbier-Bier mit passendem Glas als kleines Dankeschön. Die Rückreise dauert wieder drei Stunden, diesmal liegt es aber nicht an den vielen Baustellen in der Region Hannover.

Der Montag beginnt mit „richtigem“ Kaffee, aber danach warten leider nicht der Rollsitz, sondern die Rollen des gewohnten Arbeitsplatzschreibtischstuhls. Schade, diese Rudertour ist schon zu Ende…

g) Wesermarathon Anfang April

Nach einem langen Winter wünscht sich ein Ruderer nichts mehr, als endlich Kilometer für die Statistik zu sammeln. Eine gute Gelegenheit dazu bot wieder einmal der traditionelle Wesermarathon, der für die WSV-Ruderer in diesem Frühjahr bereits Anfang April stattfand.

Ein Teil der 10 Personen starken Gruppe konnte bereits am Freitagvormittag aufbrechen und die ersten 38 km auf der Werra zurücklegen. Wie schon in den Vorjahren begann die fahrt wieder mit einem kleinen Missgeschick: Der aktuelle Entscheidungsstand war unklar – Bernhard abholen oder nicht? Am See stellten wir fest, dass die Abholversion wohl doch die aktuellste war, und der wartende Bernhard wurde schnell abgeholt. Dafür durfte er dann auch bis Bad Sooden-Allendorf den Ruderbus steuern.

Nach einigem Suchen fanden wir auch die kleine Schleuse, hinter der wir den Vierer einsetzen konnten, und mit einigen vorsichtigen Ruderschlägen auf schmalem Gewässer erreichten wir die Werra. Auch hier war die Arbeit für den Steuermann recht anspruchsvoll, da die Werra in zahlreichen Kurven fließt. In Witzenhausen konnte Bernhard dann endlich Lenkrad gegen Skulls tauschen, während Klaus M. die Aufgabe zufiel, einen geeigneten Anlegeplatz vor Hann. Münden zu finden. So verpasste er bei Butterbrot und Zeitung den Höhepunkt des Tages, die vom Fahrtenleiter angekündigte Stromschnelle, welche in unseren Berichten später zum Tsunami mutieren sollte. Es war in der Tat ein sehr feuchtes Erlebnis, bei dem die Sicht von Steuerfrau zu Schlagmann angeblich kurzzeitig durch die Wassermassen unterbrochen wurde. Tatsächlich mussten wir einige Liter Wasser aus dem Boot schöpfen, bevor wir unsere Fahrt mit leicht nassen Füßen fortsetzen konnten.

Unterhalb der Werratalbrücke erwartete uns der Landdienst. Beim Aussteigen war der Steuermannsmantel zunächst ein wenig hinderlich, aber nach den Lästereien vom führerscheinlosen Klaus schaffte die Steuerfrau es doch noch, ohne Hilfe aus dem Boot auszusteigen.

Auf dem Tanzwerder in Hann. Münden wurden dann beide Boote für die am Folgetag beginnende Wesertour bereitgestellt und der Hänger abgekuppelt. Anschließend erwarteten wir im bergigen Lippoldshausen den Rest der Rudertruppe. Nach gutem Essen, z. B. Bratkartoffeln mit Kamillentee, und ausführlichem Bericht der Tagesereignisse wurden abends die Vereinsgeschehnisse der letzten Monate ausgiebig und lautstark diskutiert.
Am Samstag wurde in zwei Etappen bis nach Beverungen gerudert. Noch vor dem Weserstsein stellte Bernhard fest, dass die Flügelschrauben seines Stemmbrettes nicht gelöst waren. Jörn sei Dank war das passende Werkzeug an Bord, und es musste kein Notruf an den Landdienst abgesetzt werden. Die Vorteile der Strömung wurden durch reichlich Gegenwind aufgehoben. Dennoch erreichte der Vierer kurzzeitig eine Spitzengeschwindigkeit von 20,7 km/h!

Nachmittags in Bad Karlshafen war nach dem Aufwärmen unter der Dusche und bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zur Erholung in Sauna und Solebad oder alternativ einem gemütlichen Plausch bei Hefeweizen und Apfelstrudel. Abends wurden abgeruderte Kalorien wieder aufgefüllt. 

Mit dem Wetter hatten wir in diesem Jahr nicht so viel Glück: am Sonntag regnete es zeitweise heftig, und starker Wind ließ einen die Strömung kaum spüren. In den Orten entlang der Weser war auch viel weniger los als im Vorjahr, mit Ausnahme von Bodenwerder: Hier war Saisoneröffnung mit viel Ruderbetrieb, so dass wir nur zum Auswechseln anlegen konnten und nicht einmal Zeit für einen Toilettengang war.

Auf der letzten Etappe steuerte Klaus G. den Vierer, und wie nicht anders zu erwarten, versuchte er, seine Mannschaft zu Höchstleistungen anzuspornen. Km 121 war dann auch der Tageshöhepunkt für unseren Steuermann: Wir überholten zeitgleich die Moorlady und einen Rennachter – letztgenannter war allerdings gerade nicht in Bewegung. Udo hatte auf dieser Etappe seine Premiere als Steuermann und meisterte diese Aufgabe unter Anleitung von Bernhard und Frauke mit Bravour.

Trotz widriger Witterung kamen die Boote früher als geplant in Hameln an und wurden sogar bei Sonnenschein verladen. Das Abschlussessen fand wieder in der Tündernschen Warte statt. Bei konnte „Tündern Spezial“ (oder war es Döner Spezial?) ließen wir die Tour noch einmal Revue passieren und unser Fahrtenleiter konnte schon die ersten Teilnehmer für den Wesermarathon 2011 vormerken.

Insgesamt wurden in den drei Tagen 173 km flussabwärts gerudert, und 1270 km konnten in das Fahrtenbuch eingetragen werden.

DK

h) Winterpause

Der Winter hat die Wassersportler aufs Trockene gesetzt – schon seit Wochen hatten die Ruderer kein Skull mehr in der Hand. Seit Wochen? Nein, ein paar Unentwegte sind auf die Suche gegangen, und Ihnen wird Asyl gewährt: Fast jeden Sonntag fährt ein blauer Bus zum DRC, wo eine kleine Gruppe WSVler auf der Ihme mit rudern darf.

Aber auch sonst halten die Vereinsmitglieder keinen Winterschlaf: Neben den festen Terminen wie Neujahrsachter oder Spartenversammlung werden die Boote von fleißigen Helfern für das hoffentlich bald kommende Frühjahr fertig gemacht. Und es wird kräftig geplant: Die Ausschreibungen für den alljährlichen Wesermarathon im April und eine Elbe-Havel-Tour über Himmelfahrt stehen bereits im Netz. Die Termine für den alljährlichen Schnupperkurs sind ebenso im Internet veröffentlicht wie die Ausschreibung für die Pfingstwanderfahrt.

Damit auch am See mal etwas passiert, hat BB ein Winterbiwak ins Leben gerufen: Am Steg konnten die Vereinsmitglieder sich am wärmenden Feuerkorb bei heißen Getränken, Schmalzbroten und Gegrilltem austauschen. Schade, dass nur so wenige diese Gelegenheit zu einem formlosen geselligen Beisammensein nutzten!

Während die Jugendlichen sich montags in der Sporthalle mit Zirkeltraining und Ballspielen fit halten, nehmen freitags einige ältere Ruderer einen Badmintonschläger statt Riemen in die Hand. Und auch die Ergometer im Vereinsheim werden fleißig genutzt, nicht nur von der Ruderjugend. Vielleicht findet sich ja mal jemand, dem es gelingt, die dabei entstehende Energie in Wärme umzusetzen und in den See zu leiten, damit das Eis endlich schmilzt....

Und was macht man sonst so, wenn man nicht rudern kann? Im Computerzeitalter wird Kontakt über E-Mail gehalten, mit einer Besonderheit bei einigen WSV-Mitgliedern: die Nachrichten werden neuerdings in Reimform verfasst! Frauke hat den Mailverkehr flugs ins Internet gesetzt, und Jörn hält diesen Zeitvertreib für eine Krankheit, gegen die man sich nur mit FFP2 Atemschutzmaske schützen kann (siehe Bericht "Ungeahnte Dichterkünste").

Es wird wirklich Zeit, dass es taut und auf dem See wieder gerudert werden kann!

DK
März 2010


i) Ungeahnte Dichterkünste - oder was Ruderabstinenz für Auswirkungen hat

Eisiger Winter: Der AWB-See ist seit Monaten zugefroren. Um nicht völlig den Winterdepressionen zu verfallen, sucht man Ruderasyl bei befreundeten Vereinen, die noch Zugang zu eisfreien Fließgewässern haben.

Auszug aus dem Mailverkehr vom 06.02., um sich zum Rudern beim DRC zu verabreden.

Das Entkommen der Eiszeit-Tragödie in 5 Strophen statt Akten:

Daria  brachte den "Dichterstein" ins Rollen mit folgenden Versen:


Hallo lieber Klaus,
wie sieht es am Sonntag mit Rudern aus?
Geht die Fahrt bei Eis und Schnee
wieder hin zum DRC?

Grüße
Daria


 Daraufhin antwortete Klaus mit Paar- und Kreuzreim:


...Keine Eierei

Ich bin dabei

es wird hart

9:25 Abfahrt!

Wen soll ich

alles abholen?

Lasst mich nich im Stich,

macht euch auf die Sohlen!

Grüsse Klaus


 Auch Alois ist dichterisch dabei und verfasst ohne Hast folgende Verse:


Rudern auf der Ihme

Ihr habt meine Stihme

Rudern auf der Leine

geht nicht alleine

deshalb nur noch dies

es rudert mit der Alois!


Die 4. Strophe stammt aus Fraukes Feder (bzw. Tastatur):


Draußen ist immer noch kühl,

deswegen danke für das Ruderasyl! 

Auch ich bin gerne dabei, 

auch ohne gute Reimerei. 

Lasst uns auf der Leine und Ihme rudern hin und zurück,

das bedeutet während der Eiszeit für AWB Ruderer großes Glück.

Grüße  Frauke


… und (wie bei einer guten Rahmenhandlung) verfasste Daria neben der ersten auch die letzte Strophe:


Dann ist ja alles im Lot,
ich ruder' auch mit im Dichterboot!
9.20 bin ich bei Klaus,
klingel aus dem Bad ihn raus....

LG
Daria

Zu guter Letzt:

Und Klaus M. und Jörn sind natürlich mit dabei -
auch ohne Reimerei,
denn ohne Klaus und Jörn 
selbstverständlich kein Törn!

(Auszug aus dem Ruderer-Mailverkehr vom 06.02. während der See zugefroren war - das gibt sich wieder, sobald unser Gewässer eisfrei ist - ansonsten muss man bzgl. der Ruderabstinenz-Nebenwirkungen den Arzt oder Apotherker fragen ;-)

Wichtig: Ein dickes Dankeschön an den DRC für die gastfreundliche Aufnahme!!


j) Neujahrstreffen der Rudersparte am 10.01.


Am Sonntag, den 10. Januar, fand der Neujahrsempfang der Rudersparte des WSV statt. Die Teilnehmerzahlen zu dieser Veranstaltung ermöglichen auch das Rudern im Achter, was zur Namensgebung „Neujahrsachter“ geführt hat. In diesem Jahr mussten die Boote aufgrund des Winterwetters in der Halle bleiben. Die Eisdicke auf dem See reichte leider auch nicht, um wie im vergangenen Jahr den See auf Schlittschuhen zu queren.

Trotz dieser ruderunfreundlichen Witterung trafen sich mehr als 20 Vereinsmitglieder, um alternativ den See gemeinsam zu Fuß oder auf Skiern zu umrunden. Anschließend wurde auf ein hoffentlich ereignisreiches neues Ruderjahr angestoßen und das von allen Teilnehmern zusammengetragene Büffet gestürmt.

Im Rahmen dieser Veranstaltung überreichte der stv. Spartenleiter, Jürgen Podhajecky, den anwesenden Ruderern, die im abgelaufenen Jahr mehr als 1000 km auf dem See und anderen Gewässern zurückgelegt hatten, jeweils einen Vereinsbecher mit aufgedruckter Leistung. Kilometerkönigin ist Frauke Brauer mit 3371 km, gefolgt von Klaus Gratz (3370 km), Mark Dehnert (2403 km), Daria Krupka (2063 km), Jürgen Podhajecky (1486 km), Ulla Brand (1348 km), Bernhard Brand (1220 km), Alois Salamon (1122km), Udo Kordex (1010 km), Klaudia Weidig (1007 km) und Reinhold Schmidt (1001 km).

Frauke Brauer und Daria Krupka stellten anschließend in einer Präsentation die Neulinge aus dem Schnupperkurs des vergangenen Jahres vor und überreichten den anwesenden jeweils einen bunten Teller. Besonders hervorzuheben ist, dass Udo Kordex als erster Mann in der Vereinsgeschichte bereits im ersten Jahr 1000 Ruderkilometer geschafft hat.

Weiterhin wurde das Engagement mehrerer Ruderer gewürdigt. Für ihre Arbeit an den Booten erhielten Schorse Plewe und Jörn Homann eine Torte und die Jugendtrainer Odo Schmidt und Michaela Jacob einen bunten Teller.

DK